Hab keine Angst, kleiner Kuschelbär!

Die Trotzphase meiner Zwillinge ist unglaublich!
Ich dachte, sie beginnt erst so um die drei Jahre rum richtig arg zu werden, aber meine Burschis kamen nicht nur zu früh zur Welt, sie beeilen sich mit allen Entwicklungen sehr.
Mit elf Monaten begannen sie zu laufen (korrigiert müsste man davon nochmal sechs Wochen abziehen!), sie sprechen mit ihren knapp über zwei (korrigierten) Jahren erstaunlich gut und seit September 2014 stecken wir alle inmitten einer fulminanten Trotzphase.
Meine Güte, was können die Kerlchen ausflippen!
Wie furchtbar zornig sie doch werden können und mit ihren Füßchen auf der Stelle trampeln.
„Neiiiiin! Ned…“ …was auch immer „ned“ sein soll!

Dem kleinen Belgier hat es die vergangenen Tage nicht gepasst, dass er zum „aabeitn“ gehen soll. Wütendes Gestampfe, zorniges Kämpfen gegen jedwede Handlung, die uns allen einen Schritt näher zum Kindergarten bringen würden.
Wikinger: „Ned schrei´n! Alles guuuut!“
Dem kleinen Belgier war einfach nur durch Konsequenz beizukommen.
„Alles ist gut!“, so lautete das Mantra.
Nach einigen Tagen löste sich dieser morgendliche Anfall aber eher durch ein Drama ab. Ich denke, das Drama habe ich ausgelöst, indem vor ein paar Tagen deutlich unsicher zu werden begann.
Fehler.
Der Belgier ist nicht nur sehr impulsiv, sondern auch sehr feinfühlig. Sein Zorn begann sich in Angst zu verwandeln.
Sein Schreien wurde nicht mehr von Trampeln und Kämpfen begleitet, sondern öfters durch Verstecken und Weglaufen. Rotfraus Konsequenz wurde immer mehr durch ein anderes „Alles ist gut!“ begleitet. Das Gefühl dahinter war eher besorgt tröstend, denn wie vorher nüchtern erklärend.
„Ned schrei´n, alles guuut!“, so der Wikinger bestätigend.
Rotfrau hatte beschlossen, ihren Kindern zu vertrauen. Sie sagte es ihnen auch. Alles ist gut!
Es wurde tatsächlich immer ein bisschen besser und ein gewisser Stolz machte sich breit.

Stolz und Sorge.
Die Sorge bekommt man nämlich nicht so einfach ausgetrickst, egal, wie sehr Mama sich auch immer vornimmt, stark zu sein.
Den kleinen Kinderchen einfach zu vertrauen.

Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, komme ich zu der Erkenntnis, dass die Sorge nie wirklich weg war:
Den ganzen gestrigen Tag wartete Rotfrau mit Magenschmerzen auf einen Anruf aus der Vuggestue. Die Kinder sollten dort zum ersten Mal schlafen. Ausgestattet mit dem allerliebsten Schmusebär und Duzi sollte das vielleicht klappen – so der Plan.
Man würde mich anrufen, falls es gar nicht geht.

Rotfrau hatte beschlossen, ihren Kindern zu vertrauen.
Alles wird gut.

Den Kindern geht es gut in der Vuggestue, sie machen das schon. Aber.
Mama sorgte sich derweil um die Kinder, hauptsächlich um den kleinen Belgier.
Kein Anruf.
Zwischen 12 und 14 Uhr soll man die Kinder nicht abholen, um die Ruhepause nicht zu stören.
Rotfrau wartet weiter.
Kein Scherz, bitte nicht lachen:
Ab 14 Uhr saß ich vor dem Kindergarten im Auto und wartete darauf, dass die runtergelassenen Rollos hochgezogen wurden. Ich stieg sogar aus und ging um das Gebäude herum, um in das andere Fenster der Gruppenräume gucken zu können, falls denn offen…
Alles zu, alles ruhig.
Um Viertel nach zwei waren alle Fenster wieder auf und Rotfrau beeilte sich nach drinnen.
Und was war?
Zwei lachende Kinder laufen auf mich zu und freuen sich!
„Mama da!“
Belgier hatte zwei Stunden geschlafen und Wikinger war (wie zu erwarten) zu neugierig gewesen, hatte nur ein Nickerchen auf dem Arm gemacht.
Große Freude, viel Lob von allen.
Alles wird gut.
Tatsache.

#

Heute Morgen dann der große Schreck.
Der kleine Belgier war bereits „unterwegs“, als der große schwarze Mann um sechs ins Bad schleichen wollte. Der kleine Mann ging grade wieder im Dunkeln die Treppe nach oben und begegnete dort seinem nicht wenig überraschten Papa.
Wie lange er wohl schon im dunklen Haus umhergegeistert war? Warum?
Rotfrau blitzeschnell wach.
Rekord für einen Morgenmuffel!
Der Weg zur Vuggestue war begleitet von erbärmlichem Weinen. Keine Gegenwehr mehr.
Nur noch Weinen.
Oh mein Gott.
Das war ja so grauenhaft!
„Du schaffst das! Alles wird gut!“
Der kleine Wikinger küsste seinen Bruder heute sogar! Echt jetzt!
„Alles guuut!“, und dann streichelte er dessen Haare.

Und nun sitze ich hier im Wohnzimmer und weine vor mich hin.
Erst gestern Abend glaubte ich noch, die Angst meines Kindes genommen zu haben. Hab sogar oberschlau einen Ratschlag gegeben. (Verzeih mir bitte, kommt nicht mehr vor. Erst denken, dann schreiben!)
Ich muss weiter an ihn glauben, er schafft das!
Und ich weiß es ja auch, dass es so sein wird!
Sogar eine Erzieherin aus einer anderen Gruppe hat uns gerade vorhin in der Vuggestue angesprochen und sich sichtlich sehr gefreut, dass der Belgier gestern zwei Stunden geschlafen hatte! Alle im Haus scheinen zu wissen, dass „alles guuut“ ist.
Und es ist ja auch alles gut.
Mit dem Bär im Arm und dem heutigen Mantra „Keine Angst, kleiner Bär, … passt auf dich auf!“ begrüßten wie erst die Fische im Aquarium und dann die Rutsche im Toberaum.
Als wir die Tür zum Gruppenraum öffneten, tanzten die Kinder darinnen wie in einer Disko zu lustigen Kinderliedern.
Der weinende Belgier streckte die Arme nach Berit aus und der schluchzende Wikinger ging zu Kristine.
„Kristine lieb!“

Und ich weine.

Immer noch.

Nimmer weinen, Mama.
Alles wird guuuut!

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2 Gedanken zu “Hab keine Angst, kleiner Kuschelbär!

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