Für mich

(veröffentlicht bei meermond.blogger.de am 1. Juni 2014)

Wenn Sie heute hier vorbeischauen, weil Sie sich auf eine weitere amüsante Episode aus dem kleinen roten Haus, in dem vier Männer unterschiedlichen Alters (1,5 und 1,5 und 13,75 und 43) herumalbern, freuen, so muss ich Sie enttäuschen. Klicken Sie weiter, Anregungen finden Sie rechts.
Meermond ist mein Tagebuch.

Öffentlich, weil wirklich saupraktisch, etwas kinderlastig, weil ich derzeit gefühlte 99 Prozent des Tages damit verbringe, unsere lebhaft-laute Familie zu bändigen/organisieren/bekochen/verwöhnen/pflegen/schmusen/lieben und was eine Frau in Elternzeit halt so macht. Ich liebe meine Familie und ich liebe es, von uns zu erzählen. Aber manchmal geht es um mich. Das ist auch der Grund, warum Sie hier auch keinen Button von Brigitte Mom Blogs finden.

Denn es verbleibt schließlich noch ein gefühltes Prozent des Tages: Dieses Prozent bin ich.

Das Ich kommt momentan gefühlt massiv zu kurz und leidet an manchen Tagen etwas heftig. Der arme wundervolle große schwarze Mann muss dieses Leiden dann immer ertragen. Hiermit entschuldige ich mich hoch und heiligstenst bei dir :-*
Nicht so am Samstag.
Samstag war Meertag.
Meertag.
Eine Frau mit abgeschlossenem Hochschulstudium im Fachbereich Geographie sollte folgende Definition wahrlich nicht abgeben, sie tut es aber doch, denn schließlich ist es ihr Wort.

Ihr Tag.

Ein Meertag.

Wenn mir aus dem Badspiegel zwei leuchtend grüne Augen entgegen blicken, wandern selbige umgehend zum Fenster. Klare, saubere Luft, scharf gezeichnete Umrisse in den Wolkenformationen, steter Wind wogt wellenbringend über Getreidefelder oder hohe Graswiesen, die Sonne scheint. Man sieht fast so weit ins Land, wie an den bei uns öfter auftretenden Föhntagen, allerdings fehlen gottlob die warmen Fallwinde, welche bei mir brachialen Kopfschmerz und Übelkeit auslösen.
An Meertagen leuchten nicht nur meine Augen anders als sonst, sondern auch meine Seele. Meertage sind schön. Es gibt sie in jeder Jahreszeit. Und wenn wir unsere Pläne verwirklicht haben werden, dann habe ich sie noch öfter.
Bei uns sieht man meist nicht sehr weit, die Umrisse des Horizonts verwabern im Blaugrau. „Ein Meertag ist doch Schmuddelwetter!“, mag der geplagte Hamburger einwerfen. Das stimmte schon, wenn die Geographie bei meinem Meertag eine Rolle spielte. Tut sie an meinen Meertagen aber nicht: weit und klar. Skandinavisch anmutendes Licht und klare Weite.

Am Samstag übernahm der wundervolle große schwarze Mann die Aufgabe der Brutpflege und mein Ich durfte raus. Egal wohin. Ohne Kinder. Ohne Aufgaben. Frei.
Ich zog das leere Einkaufszentrum der belebten und umwerfend befeierten Innenstadt vor. Ich wollte Ruhe. Und ein weißes T-Shirt für die Taufe am nächsten Sonntag.
Schon mal drei Stunden für ein T-Shirt gebraucht? Einfach nur rumbummelgeguckt?
Was habe ich gekauft?
Aufkleber für die Taufkerzen, zwei Hosen für den Preußenbayer, elegante Sabber-tauf-tücher für den Wikinger, einen Körperpuder mit passendem Parfüm, einen Rock (der wundervollstenst zu Schuhen passt, die schon seit fast 8 Jahren in meinem Schuhschrank brillieren), ein Geschenk für den kleinen Riesen. Ich habe hunderte Schuhe anprobiert und keine gekauft. Habe nach Handtaschen gestöbert, die zu meiner Spitzenjacke passen. Ich hatte weder Zeit zum Trinken noch für ein Häppchen. Klo war auch nicht drin, auch keine neue Handtasche. Ich bin anspruchsvoll?
Als ich kurz vor dem Heimfahren immer noch kein weißes Genial-T-Shirt gefunden hatte, arrangierte ich mich mit einem unscheinbaren Etwas. Die Läden schließen um acht und fünf Menschen brauchen Nahrung. Und Windeln.
Schwupps, Lebensmittel für´s Wochenende gekauft und einen Haufen Erdbeeren ergattert. Drogerie rein und raus.
Heim zu den wundervollen männlichen Geschöpfen.
Marmelade kochend säuselte der Meertag an einer glücklichen Rotfrau vorbei.
Meertage machen glücklich.
Ich-Tage geben Kraft.
Was für ein besonderer Ich-Tag.
Ein Meer-Ich-Tag.
Ach, was bin ich glücklich.
Ich habe alles, was ich brauche:
Vier Männer und ein Ich.

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