Spieltrieb ausgetrieben

(veröffentlicht am Donnerstag, 16. Oktober 2014)

So langsam wird es langweilig in unserem Ferienhaus. Wir haben nur das Nötigste dabei und unser Hab und Gut lagert immer noch in Aalborg ein, bis wir unser neues Zuhause gefunden haben.
Wir haben es gefunden und die Verträge werden schon aufgesetzt.
Da wir weder über ausreichende Sprachkenntnisse noch über Hintergrundwissen der dänischen Gesetzeslage beim Erwerb einer Immobilie verfügen, müssen wir uns noch etwas gedulden und uns anwaltliche Hilfe holen.
Aber Anfang November ziehen wir voraussichtlich um. Oder „ein“? Inzwischen vermag ich das selbst nicht mehr so genau zu sagen…

Die Zwillinge und Rotfrau verbringen sehr viel Zeit zwischen den hier abgestellten Umzugskartons und der Auswahl an Spielsachen.
Alles ist mehrfach durchgespielt worden und der seit Tagen anhaltende Schnürlregen vermiest die wundervollen Ferientage.
Der dicke Preuße, der am Sonntag angereist war, um das neue Zuhause seines Kindes zu besichtigen, ist heute Nachmittag schon wieder in Richtung Bayern aufgebrochen. Die besten Indoorattraktionen haben er und der große Preußenbayer alle erfolgreich absolviert, das attraktive Ferienangebot der Kommune hat es bis einschließlich heute schlicht und ergreifend „derregnet“. Die Felder sind überschwemmt, auf der Autobahn muss aufgeschwemmter Sand weggeschaufelt werden, Straßen sind gesperrt. Schlimm. Gottseidank war am Sonntag und Montag noch Strandwetter…
Nun gut, nun haben wir unser provisorisches Daheim wieder für uns ganz alleine, damit wird es aber wieder ein Stück mehr langweilig für die Kleinen. Mein Exmann kann sehr gut mit kleinen Kindern umgehen und hat sich viel mit den Zwillingen befasst. Ich glaube, sie werden ihn vermissen.
Die langweilige Mama, die täglich den selben Mist macht – Waschmaschine einräumen, Wäsche aufhängen, Wäsche falten, Spülmaschine ein- und ausräumen, kochen, füttern, staubsaugen, Buch vorlesen, LeEE go spielen, Auto, Traktor und Blume malen, Puzzle hin und her -, ist einfach nicht mehr wirklich ein den Tag füllendes Programm.
Und ich gestehe hiermit ganz öffentlich:
Als Animateur wäre die große rote Frau eine absolute Fehlbesetzung!!!
Der Garten ist nur noch rutschig und nass. Es ist kalt und  – tja – langweilig.
Heute also standen die Kinderchen um den Wohnzimmertisch herum und spielten mit ihren Traktoren. Weil die Kinder recht helle Köpfe sind, muss der Traktor auch wie einer aussehen und nicht so, wie ein Spielzeugdesigner das für 23 Monate alte Kinder erfindet. Kein süßer, großer Plastiktraktor mit abgerundeten Ecken und vereinfachter Detailtechnik, nein, wie halt ein Traktor so in echt aussieht! Mit Anhänger, bittesehr!
Wir haben ergo drei „Minimodelltraktoren“ bekannter Marke 🙂
Aber die Anhängerkupplungen der Minimodelltraktoren sind noch minimodelliger, sodass die Rotfrau schon fast zur inzwischen notwendig gewordenen Lesebrille greifen muss, um den viel zu leicht raus rutschenden Anhänger wieder anzukoppeln.
Selbige Minimodelltraktoren sind überhaupt nicht für tolpatschige Minimodellmänner mit fleißig fummelnden Minimodellpatscheschwitzefingerchen konzipiert, aber selbige – als echte Söhne eines Herrn Ingenieurs – brauchen technisch einwandfreie Lösungen und untersuchen fleißig, wie und ob man etwas Technisches wieder zerlegen kann. Und wieder zusammenbauen, wieder zerlegen und wieder usw.
Geduldig hat die große rote Frau die Anhänger eingehängt, den Traktor mit Hänger auf die Tischplatte gestellt, Pullover gefaltet, den Anhänger des zweiten Traktors wieder angehängt, auf den Tisch gestellt, ein Paar Socken gesucht, ersten Traktor wieder zusammengebastelt, hingestellt, Socken zum Päckchen gebastelt, zweiten Traktor usw.
Ich vermute, dass ich noch nie so lange für einen Wäschekorb gebraucht habe. Ich gebe zu, dass meine Geduld heute einfach fulminant war.
Aber irgendwann hatte ich dann doch genug.

hnger - kopie
Die Kinderchen fanden es anfangs hochinteressant, die neuen Minimodellzugmaschinen zu bespielen und zu bestaunen.

anhnger2 - kopie

Aber irgendwann war das dann doch wieder zu langweilig und neue Ideen wurden ausprobiert. Rauf auf die Tischplatte, von der Seite betrachten und feststellen, dass das Ding ja jetzt gar nicht mehr richtig ist! Mama, seit wann fliegt denn ein Traktor?

pfusch - kopie

Die gucken aber ganz genau hin, die Krümelchen!
Da wird hingedrückt, hergedrückt, hin- und hergefahren, geguckt, geschimpft, gestaunt, überlegt.
Dann kam die brillante Idee eines Kleinkinds:

reparatur - kopie

Hieraus entwickelte sich ein neues Spiel. Was kann denn so ein kleiner Traktor alles ziehen?
Dauerte aber nicht lange, das Spiel. Denn sehr schnell wurde daraus das beliebte:
Ichwilldasjetzthabenundzwarsofortherdamitoderichbeiße!
ach…

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