Jobsuche in Nordjütland

In Dänemark muss man in vollständiger Eigenarbeit auf Jobsuche gehen. Als völlig unwissende Deutsche wollte ich mich beim Arbeitsamt melden und einen Mitarbeiter fragen, wie ich als Ausländer am besten vorgehen könnte.

Man hat mein Ansuchen sowohl bei Gemeinde als auch beim Jobcenter müde belächelt. Eigentlich hätte Rotfrau sich ja denken können, dass in einem derart digitalen Land wie Dänemark alles online und ohne „echten Menschen“ geht!

Man muss sich hier bei verschiedenen Jobportalen anmelden und relevante Daten hinterlegen. Also auch einen Lebenslauf! Dann bekommt man teilweise völlig daneben liegende Jobvorschläge angeboten, welche man sich innerhalb einer kurzen Frist anzusehen hat. Vergisst man mal, die blöden Annoncen durchzulesen, bekommt man eine amtliche Ermahnung ins Postfach gesendet, dass man aus dem Portal geworfen wird, wenn man nicht innerhalb von sieben Tagen nachgelesen hat.

Da alles auf Dänisch ist, ist es für fremdsprachige Menschen nicht ganz so einfach, den Jobfilter so zu konfigurieren, dass man nicht ausschließlich blöde Jobvorschläge durchlesen muss. Sicher, es gibt eine englische Startseite, aber dann geht es auf Dänisch weiter. Ist übrigens auch beim Finanzamt so, welches bis Ende April bestimmte Eingaben von mir erfordert, die ich nicht mal verstehe. Das deutsche Finanzsystem ist schon nicht einfach, das dänische ist es auch nicht und daher mussten wir eine grenzüberschreitend arbeitende Steuerberatungskanzlei in Schleswig-Holstein mit unserem Behördenkram beauftragen.

In allen öffentlichen Jobportalen – in Dänemark sind das z.B. jobnet.dk und jobindex.dk – wird man darauf hingewiesen, dass man sein soziales Netzwerk benutzen soll. Von vielen Jobs würde man über Freunde, Familie und / oder Kollegen erfahren. Sie tauchen somit gar nicht in den öffentlich einsehbaren Medien auf.

Was aber, wenn man kein soziales Netz hat? Was aber, wenn man die überall vorgeschlagenen Einfachso-Bewerbungen nicht drauf hat, weil man über eine ganz andere Ausbildung und eine ganz andere Qualifikation verfügt, als in den meisten Annoncen erfordert wird? Vergessen Sie es sofort, ohne perfektes Dänisch eine Arbeit in Nordjütland finden zu wollen! Es erscheint mir so, dass außer in der Schweinezucht überall fließendes Dänisch Einstellungsbedingung ist. Und in der Schweinezucht werden nur minderqualifizierte Menschen aus den ärmeren Regionen Europas zu geringem Lohn angestellt, wie ich von einer polnischen Ehefrau eines gebürtigen Dänen erfahren habe. Ihr arbeitsloser Mann wollte sich aus Verzweiflung bei solchen Farmen bewerben, erhielt aber nur Absagen aus oben genanntem Grund. Das ist alles in allem reichlich entmutigend, nicht wahr?

Auf der anderen Seite Ihres Bildschirms sitzt eine hochqualifizierte Frau mit deutschem Universitätsabschluss. Sie kann das anbieten, was hier tatsächlich sehr gebraucht wird. Und trotzdem ist es nicht einfach für sie, eine Arbeit zu finden, weil sie eben noch kein fließendes, sondern nur fortgeschrittenes Dänisch spricht! Außer einem „good maybe“ hat sie bislang nichts Überzeugendes oder Nervenberuhigendes bekommen.

Nächste Woche beginnt sie bei eben jener Frau „good maybe“ einen befristeten Aushilfsjob mit cooler, hochtrabender Bezeichnung. Aber eigentlich ist es nur eine Aushilfe.

Rotfrau hofft auf mehr.

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6 Gedanken zu “Jobsuche in Nordjütland

  1. Oh Mann (Frau), in DK geht ja wohl ohne PC und Internetanschluss gar nix, wie ich es bis jetzt so mitbekommen habe. Jobsuche, Arztbesuche, Bankgeschäfte..u.s.w.
    Eine grausige Vorstellung, wenn mal das Internet ausfällt oder der Strom, ich weiß das sind etwas blauäugige und naive Vorstellungen meinerseits, aber wo sind denn z.B. Arzthelferinnen, sorry med.Fachangestellte, oder gibt es überhaupt Menschen in einer Bank..gibt es überhaupt eine echte Bank, wo man so richtig reingehen kann..ähh?

    Jaa gibt es, weil ich im Fernsehen (gähn wie altmodisch) etwas von einem Banküberfall in einer Stadt in eurer Nähe gesehen habe und die Räuber würden ja nicht mit gezückter Waffe vor einem Automaten stehen und Geld fordern oder?
    Sitzt da vielleicht doch ein etwas kleinerer Däne drin? Irgendwo müssen die Leute doch arbeiten!

    Jedenfalls wäre ein Ferienhaus (das wir natürlich nicht gebucht haben) ohne Internetzugang wesentlich günstiger gewesen, mir schwant da so einiges!

    Hoffentlich werden wir im Urlaub nicht krank, Job brauchen wir keinen und das mit dem Geld haben wir ja schon besprochen..haha

    Gefällt 1 Person

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