Meermond motzt! Nein, kein Hashtag!

Jeder, der der Meinung ist, die große rote Frau sei eigentlich ganz nett, der möge bitte heute woanders lesen.

Jeder, der lieber freundliche Worte und Familienabenteuer lesen möchte, der möge bitte heute woanders lesen.

Jeder, der seichte Unterhaltung sucht, der möge bitte heute woanders lesen.

Heute MUSS die große rote Frau etwas ins Netz hinaus schreien, was ihr schon lange unter den Fingern brennt. Worüber sie sich schon ein paar Wochen immer wieder mal Gedanken gemacht hat.

Ich könnte den heutigen Eintrag eigentlich auch mit Einleitungen beginnen, wie ich sie selbst schon mehrmals bei anderen Blogs lesen konnte:

Eigentlich wollte ich mich ja schon länger mal wieder melden…oder Entschuldigung, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe…

Ich hatte keine Zeit zu tippen, daher schreibe ich jetzt. Nein, ich werde mich auch nicht dafür entschuldigen, dass ein paar Tage keine Geschichten online gegangen sind. Ein Blog ist ein Blog. Mehr nicht.

Vor kurzem habe ich bei einem der ganz bekannten Blogs (ich bleibe hartnäckig bei DER Blog) die Aussage gelesen, dass es sich bei eben einem Blog um eine journalistische Textform handeln würde. Der Meinung bin ich überhaupt nicht: Ein journalistischer Text müsste unter den sachlichen Textformen eingeordnet werden können. Was aber ist dann mit den vielen literarischen Texten in den unzähligen Blogs? Poesie, Lyrik, Epik und Dramatik sind genauso vertreten wie die häufig vorzufindende Glosse bzw. Satire, welche meiner Meinung nach vermutlich die breiteste Leserschaft anziehen und fesseln kann.

Und hier sind wir eben nicht mehr im Journalismus, sondern im literarischen Bereich gelandet! Ein Blog ist ein Trägermedium:

Lyrik, Epik, Dramatik, Musik, Kunst, Journalistik, Fachwissenschaft, Reiseberichte, Kochrezepte, Austausch- und Information, Sachtexte aller Art und Klassen. Objektiv, subjektiv, lustig oder traurig, wahr oder erstunken und erlogen. Jeder Blogger publiziert, was er/sie alleine veröffentlichen will und jedem steht es frei zu lesen, was er/sie will.

Einfach nur cool, wie ich finde!

Besonders viele Mütter-/Elternblogs unterhalten ihre Leserschaft mit witzigen Anekdoten aus dem Irrsinn, in den man nach dem Kreißsaal eintaucht. Und es macht mir als Mama großen Spaß, die Geschichten der anderen, die durch ein schiefes Schmunzeln im Netz versuchen, die tägliche (Beinahe-)Verzweiflung wegzukichern, zu lesen. Natürlich lese ich mich am allerliebsten durch Zwillingeblogs – logisch -, doch es gibt auch ganz phantastische andere Autoren, die mich mit unterschiedlichsten Themen und Erzählungen stundenlang zu unterhalten vermögen. Meine Aboliste ist daher lang und äußerst vielfältig. Es ist so schön, die Individualität der einzelnen Verfasser zu erspüren und ihre virtuellen Anregungen zu hinterfragen.

Leider fällt mir immer mehr auf, dass mit steigendem Bekanntheitsgrad genau das verloren geht, was jenen Blog so einzigartig gemacht hat:

Individualität.

Die großen Blogs – ich beschränke mich in meinen folgenden Ausführungen nun auf die, die ich am längsten lese: die Mütterblogs – werden irgendwann einfach nur noch kommerziell.

Werbung, Interviews und Gastbeiträge, Produkttests und Verlosungen, öffentliche Aufrufe und beinahe aggressive Klicksammlerei. Facebook, Instagramm, Twitter usw. halten die Leserschaft fleißig „bei der Stange“. Bereits im About wird man auf Klickzahlen und gewerbliche Nutzungsbedingungen hingewiesen und beim Aufrufen der Seite pluppt eine Mitteilung zum Newsletterabo auf. Es macht irgendwann einfach keinen Spaß mehr, die Familie virtuell zu begleiten. Es ist nicht mehr witzig, sondern nur noch professionell.

Aber will ich das wirklich lesen?

Ich glaube, ich werde beispielsweise auch nicht mehr so gerne die Geschichten der Zwillinge vom nun ganz anderen Ende der Erde lesen wie früher, obwohl sie mit ihren Eltern doch gerade im Moment genau das tun, was wir hier getan haben und noch immer tun! Die Kinder sind nur vier Wochen jünger als meine und ihre Mama hat, seit diese auf der Welt waren, immer genau das erlebt, was ich erlebte und ebenfalls erzählte. Es war schön, tröstend und anregend – aber wie gesagt: war.

Viele der Mamablogs sind heute leider nicht mehr das, was sie einst so schön gemacht hatte: so lesenswert!

Ein Blog ist ein Blog. Und es gibt so viele einzigartige davon. Man weiß gar nicht, wo man zuerst lesen soll!

Ich bin mit Meermond bereits zum dritten Mal umgezogen und verzichte noch immer auf Verknüpfung mit sozialen Netzwerken. Sicher, es wäre durchaus erstrebenswert, aus den vierstelligen Zahlen pro Monat eine fünfstellige zu machen oder gar von einem Verlagshaus gefunden zu werden, damit ich endlich mit dem Geld verdiene, was mir am meisten Spaß macht.

Aber muss ich dazu die hier gepflegte Individualität aufgeben und meinen Blog zur regelrechten Werbeplattform verwandeln?

Ich glaube, ich lasse das lieber.

Ich habe Leser, die mich seit über acht Jahren begleiten und immer „mitgekommen“ sind. Tippt man „Meermond“ bei Guuugle ein, so starrt man sofort auf meine Adresse, obwohl Meermond kein reiner Kunstname ist! Es ist der Name eines Fisches, der bei Wikipedia einen eigenen Artikel hat und seit neustem gibt es auch einen Drachen mit diesem Namen. Naja, ein Drachen bin ich ja schon immer gewesen und nein, der Zahnarzt bin ich auch nicht 😉

Gestatten, ich bin Meermond und ich blogge.

Ich blogge, weil ich es einfach gerne tu. Ich kann schreiben wie eine Göttin, wenn ich will. Weil ich es gelernt und studiert habe. Ich habe die fulminantesten Geschichten der Welt in peto und ich hatte justamente das coolste Pfingstwochenende der nördlichen Hemisphäre. Ich bin Zwillingsmama, habe das weltbeste Pubertier der Welt und bin mit meiner Patchworkfamilie ausgewandert. Ganz ohne VoXX und ganz ohne Presse.

Facebook nutze ich genauso wenig wie Instagramm und Pinterest, am Gezwitscher bin ich nicht interessiert. Ich schreibe, was mir gefällt und ich schreibe, wann es mir gefällt. Viele Leser schauen regelmäßig hier vorbei und ich freue mich wirklich sehr darüber. Aber ich verspreche mir (und Ihnen, wenn Sie mögen), ich bleibe individuell. Empfehlen Sie mich weiter, wenn Sie mögen, Sie müssen aber nicht 😉

Wir lesen uns,

Meermond

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12 Kommentare zu “Meermond motzt! Nein, kein Hashtag!

  1. Liebe große rote Frau,
    ja, ich habe auch herzlich gelacht, als ich gelesen habe, ein Blog (und ja, ich bleibe auch bei DER Blog, das andere geht für mich gar nicht! Ist das selbe, als wenn ich sagen würde DER Kartoffel, und das sagen hier in DE auch manche Leute. OK, das nur am Rande ;)) wäre ein journalistischer Beitrag etc. Ich dachte nur, oh je, was ist dann mit meinem Blog? Nun gut. Es ist was es ist und für mich ist es so momentan ok. Mehr geht nicht, im Moment. Und wenn Leute mitlesen, dann freut mich das. Wenn nicht, dann ist es auch ok. Jeder wie er mag. Ganz klar. Und ja, es ist wirklich schade, wie sich manche Blogs verändern. Ich kann das absolut nachvollziehen, was du sagst. Bei manchen finde ich es schlimm, bei manchen auch nicht. Menschen verändern sich, Lebensläufe ändern sich, manchmal auch radikal und Blogs eben auch. Solange es authentisch bleibt ist es für MICH in Ordnung. D.h. wenn alle drei Tage eine Produktvorstellung kommt ist es für mich ok, wenn es sich nachvollziehen lässt und es in das Leben des Blogschreibers passt. Viele Produktempfehlungen finde ich wirklich sehr hilfreich und ich habe auch schon etwas gekauft, nur weil ich es in diesem Blog gelesen habe. Schlimm ist wirklich, wenn es wirklich überhaupt nicht in die Geschichte passt oder man direkt merkt, dass das alles nur irgenwie ausgedacht ist, um eben diesen einen Produktnamen zu platzieren (Bsp.: zu schreiben, man könnte/wöllte sich gerne mit seinem Freund verloben, hat schon soooo lange daran gedacht, ein toller Ring wäre wirklich nett etc. nur um dann am Ende den Link einer bekannten Juweliers-Kette einzubauen…das ist echt schlimm in MEINEN Augen.)
    Das schöne daran ist ja, dass man wie bei der TV-Werbung einfach wegschalten /wegklicken kann! 🙂
    P.S.: ich finde sie trotzdem immer noch nett und lesenswert oder gerade deswegen?! 😉

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    • Ich finde sie (du weißt schon wer…) ja auch so furchtbar lesenswert, darum hab ich mich doch überhaupt erst darüber geärgert, dass sie das jetzt so professionell verstärkt!
      Aber sie (du weißt schon wer…) ist nur ein Beispiel von vielen, die sich ihren einzigartigen Reiz allmählich „wegkommerzialisieren“. Viele der richtig „Großen“ sind tatsächlich immer mehr zum Wegklicken. Das ist so schade.
      Finde ich zumindest…

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      • Ja, sie (du weißt schon wer…) schreibt wirklich ’süchtigmachend‘ und ich frage mich immer, wie sie das alles nur macht. Ich kann da einfach nicht wegklicken.
        Mit meinem P.S. meinte ich übrigens dich…:) … nicht sie (du weißt schon wer ). Nur, um jegliche Verwirrung komplett zu machen, ich schwanke noch zwischen „siezen“ und „duzen“.

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        • Sie? Du? Ist das putzig 🙂
          Ich pflege meine Leserschaft respektvoll mit ´Sie´ anzureden, ist meine Art.
          Bei blogger.de (da ´komme ich her´) sprechen sich die „alten Hasen“ übrigens auch in den Kommentaren mit ´Sie´ an. Ich finde das zauberhaft und höflich, aber bei WordPress ist eher ein ´Du´ üblich.
          Suchen Sie es sich also bitte aus, wie du mich nennen magst 🙂

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  2. Ein Beitrag ganz nach meinem Geschmack. Grade habe ich für Mittwoch auch einen Mecker-Post geschrieben. Wie passend 😉 Ich habe auch „was mit Sprache“ studiert und freue mich immer, wenn sich jemand damit befasst. Und mir geht es wie dir. Manche Seiten sind einfach zu krass. Das kann ich mir auch nicht mehr angucken… Facebook habe ich für meinen Blog genau seit heute und ich finde es jetzt schon ein kleines bisschen nervig. Mal gucken… 😉

    PS: Waren diese Hinweise auf meinen Blog jetzt auch plumpe Werbung, wie du sie beschrieben hast? NEEEIN! Ich weiß ja, dass du manchmal bei mir vorbei schaust. Dann darf ich ihn auch ohne Hintergedanken erwähnen, oder? 😉

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