Geburtstagsgedanken

Heute vor 15 Jahren befand ich mich um diese Uhrzeit gerade im Krankenhausbett.

Rotfrau schnarchte friedlich vor sich hin. Die am Morgen kläglich begonnenen Wehen hatten sich nach einem reichlich traurigen Anfang wieder eingestellt, der damalige Ehemann war wieder nach Hause gefahren. Na, dann halt nicht.

Um 14 Uhr Blasensprung und um 15:35 Uhr war er da: mein Sonntagskind. Mein Preußenbayer.

Der Kerl wird heute schon 15! Fünfzehn!

Mit fünfzehn ist man wahrlich kein Kind mehr und wenn ich mir den Menschen so angucke, der da jeden Morgen neben mir entweder Kaffee oder Energydrink schlürft, beginne ich zu staunen. Seit zwei Tagen bin ich deswegen in Gedanken versunken.

Was habe ich eigentlich so gemacht, als ich 15 war? (Himmel, ist das lange her!)

Das erste, das mir einfiel, war ein Foto eines damaligen Klassenkameraden: Eine regelrechte Nahaufnahme meines Hinterteils, das in ziemlich zerrissenen Jeans steckte. Mit 15 war ich genau wie er heute in der neunten Klasse. Damals in einem ziemlich stinkenden Notcontainer, den wir Rotznasen hochmütig als Baracke betitelten. Unterricht war ein spaßiges Amusement, hauptsächlich mit der Nachtischfee und dem damals schon arg alkoholigen Johann:

Meist habe ich entnervt den Fingerübungen einer Klassenkameradin zugeschaut, die ständig Schreibmaschine auf der Tischplatte trainierte, habe teilweise reichlich anrüchige Briefe mit dem alkoholigen Johann ausgetauscht, gemeinsam mit der Nachtischfee den Mathelehrer gereizt – bis ich schließlich strafversetzt wurde -, die damalige Religionslehrerin mit Freuden bis zum Weinkrampf getrieben, Englisch- bzw. Mathekollaborationen geknüpft und an die nächsten Partys gedacht. Ich weiß gar nicht mehr, wo ich überall war, jedenfalls ständig überall und meist woanders 🙂

Ich habe mit 15 dummerweise schon geraucht, die ersten (fast – schon – oder – noch – nicht -) Männerherzen gebrochen und auch schon Erfahrungen mit Alkohol gemacht.

Als erwachsene Rotfrau muss ich rückblickend leider sagen: Ich war ein alberner Idiot.

Ich erinnere mich nur zu gut daran, dass meine Eltern immer von sich behaupteten, sie wären früher sowieso besser gewesen und übrigens behauptet das jede Generation von sich selbst: Wir waren viel besser, die heutige Jugend ist sowieso nur noch blöde. Die heutige Jugend verblödet zusehend. oder Eine Generation Null. 

Tut mir leid, das kann ich so nicht unterschreiben.

Ich war als Jugendliche mindestens genauso blöde wie die heutigen Pubertäter. Und wenn ich meinen Preußenbayer so anschaue, muss ich mir leider eingestehen, dass ich viel blöder war als er es heute ist!

Als Exraucher rieche ich kalten Rauch durch geschlossene Türen, ich bekomme regelrecht Brechreiz davon. Als langjährige Barfrau sind mir der Geruch von schalem Alkohol bzw. Ausdünstungen von überstandenen Alkoholexzessen reichlich vertraut. Sowas vergisst man nicht. Und beides habe ich noch nie bei meinem großen Kind feststellen müssen. Er ist regelrecht vorbildlich! Klaro, er nippt aus Interesse mal an meinem Cider oder auch mal an einem Bierchenchen – schließlich ist er ein Bayer -, aber ich spreche hier von einem Schluck! Er raucht nicht, er säuft nicht, er nimmt keinerlei Drogen. Er ist fast langweilig brav! Na gut, er frisst Chips wie Harry und hängt den ganzen Tag in Jutupp oder in Spielcommunities herum. Aber er ist beliebt bei Klassenkameraden, bei Lehrern, bei Müttern von Klassenkameraden – die eine hat mich am Elternabend sogar umarmt!? – und er ist stabil und fleißig in der Schule. Die Auswanderung, die Trennung und die neue Sprache meistert/e er souverän.

Blöde Jugend?

Nope. Blöde Erwachsene, die nicht sehen können, dass „Früher“ nicht besser war, sondern einfach nur anders. Und mal ehrlich:

Hätten wir damals Jutupp oder WatsUpp gehabt, wären wir mindestens genauso begeistert davon gewesen. So toll waren die vollgepieselten Telefonzellen doch wirklich nicht, oder?

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13 Gedanken zu “Geburtstagsgedanken

  1. Ich bin ja nun noch ein Stück älter als du, habe aber als Teenie auch einiges ausprobiert, war aufmüpfig, habe mich ziemlich kräftig geschminkt, was als wohlerzogenes Mädchen für die lieben Verwandten gar nicht ging. War mir doch egal.
    Als ich älter war und schon zur Arbeit ging habe ich auch manchmal so Hallowachtabletten eingeworfen, verabreicht von (?) Kumpels. Weil, wenn du morgens um 5 Uhr heimkommst und um 7 wieder aufstehen musst, wird das schwer.
    Aber ich schwöre, ich habe in meinem ganzen Leben keinen Joint geraucht. Da bin ich echt total raus.
    Ich hätte die Gelegenheit gehabt, hatte aber immer Schiß davor.
    Ähh..was wollte ich eigentlich sagen?
    „Dein Bub ist toll und Du hast das alles sehr gut gemacht bisher“!

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  2. Was du mit 15 gemacht hast, machte ich schon mit 13 … 😦
    Junge Menschen sind junge Menschen. Wenn man da keinen Blödsinn machen darf, wann dann! Du hast ein schönes Bild darüber gezeichnet und Glückwunsch zu deinem braven Kind. (Vielleicht weißt du auch nicht alles ..) 😉

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  3. Dein Preussenbayer imponiert mir wirklich! Gar nicht langweilig brav. Er hat wahrscheinlich nur ganz andere Interessen und war vielleicht auch mit der Anpassung an DK eingespannt. Vielleicht braucht er die Erfahrungen auch gar nicht, also die, die du im gleichen Alter gemacht hast.
    Was du mit 15 gemacht hast, habe ich erst mit 18 angefangen, Spätentwickler. 18-24, SturmundDrangZeit, danach hatte ich die Nase voll davon.
    Aber eines muss ich sagen, ich war damals doch um Etliches naiver als die 18-Jährigen heute.

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