Auf ein Glas Wein mit Meermond

Aber bitte, gerne! Nehmen Sie ruhig Platz. Meine Couch ist zwar schon ein paar Jährchen alt, aber immer noch sehr bequem. Ich habe schon auf Sie gewartet und ich freue mich schon sehr, endlich einmal ein gemütliches Glas Wein mit Ihnen zu trinken und ganz zwanglos zu plaudern.

Ach, Sie mögen keinen Weißwein? Tun Sie sich keinen Zwang an, gleich geradeaus, in der Küche, steht noch eine Flasche Roter. Wissen Sie, aufgrund meiner schrecklichen Migräne verzichte ich inzwischen vorsichtshalber zumeist auf Rotwein, obwohl ich zugeben muss, dass er mir sehr fehlt. Am liebsten mag ich übrigens Lagrein. Brombeerig, samtig und rund. Trinken Sie ruhig, ich gucke vielleicht nur ein wenig neidisch. Das stört Sie doch hoffentlich nicht?

Warum ich Sie Sieze? Na hören Sie mal, eigentlich kennen wir uns doch gar nicht. Nun ja, einige meiner Leser kenne ich schon persönlich, aber ich gehe mal davon aus, dass die alle schon vor Ihnen auf meiner Couch gesessen und Rotwein getrunken haben. Ich finde, es zeugt nicht gerade von Respekt, mir persönlich unbekannte Menschen frech zu duzen. Nein, nicht  doch, es ist mir egal, dass man in der „Bloggerwelt“ – finden Sie diese Bezeichnung auch irgendwie bescheuert oder geht das nur mir alleine so? – alle kreuz und quer duzt. Ich bin nämlich gerne höflich und mein Blog ist sowieso ein kleines bisschen anders. Sie dürfen mich aber gerne duzen.

Ist Ihnen aufgefallen, dass man überall mit Jahresrückblicken konfrontiert wird? Das Fernsehen überschlägt sich mit Bildern des Jahres und sämtliche Zeitungen – online wie traditionell – liefern beeindruckende Zusammenfassungen der letzten zwölf Monate. Sogar Wordpress hat mich heute darüber informiert, wievielen ausverkauften Veranstaltungen in der Oper von Sydney die Aufrufezahl meines Blogs entsprechen würde. Hui!

Ja, Sie haben Recht, darauf sollten wir jetzt wirklich trinken. Skål!

Laut WordPress habe ich 351 Beiträge veröffentlicht: 1

Wenn man bedenkt, dass ich erst im Februar endgültig von blogger.de umgestiegen bin, schwafle ich schon eine ganze Menge bei Ihnen herum, nicht wahr? Nun sei’n Sie mal nicht so respektvoll zurückhaltend, Sie dürfen ruhig gerne leidvoll nicken! Ich bedauere es irgendwie schon, Sie ständig mit meinen Geschichten zu belästigen, aber es passiert bei uns einfach so viel! Ich kann da teilweise wirklich nichts dafür!

Im Januar mussten beispielsweise die Zwillinge in die Vuggestue eingewöhnt werden. Das ist sowas ähnliches wie eine deutsche Krippe. Die armen Kinderchen mussten sich plötzlich von ihren Eltern trennen und in einer Gruppe von Menschen bleiben, die sie nicht einmal verstehen konnten! Obwohl Berit ihnen mit ihren Deutschkenntnissen viel Unterstützung geben konnte, war es sehr schwer für sie. Am schlimmsten aber für mich.

Ja, lassen Sie uns darauf einen Schluck nehmen, es ist doch noch alles guuuut geworden. Skål!

Im Februar war ich eine ganze Weile damit beschäftigt, die Geschichte unserer Auswanderung chronologisch unter der Karteikarte „Unsere Auswanderung“ hier drin abzulegen. Bei Blogger habe ich nämlich genauso viel geschrieben und die Themen kreuz und quer durcheinander gewürfelt. War gar nicht so einfach, das alles aus meinem kunterbunten Blog-Alltag herauszudröseln!

Jaja, Sie haben schon Recht, das mache ich hier bei WordPress schon wieder! Zwillinge, Auslandserfahrungen, hemmungslose Liebeserklärungen, Gedanken, Weiberkram, Familienchaos, Auswanderer- und Urlaubstipps, alles kreuz und quer. Sie sollten erst mal meine Dateiensammlung auf meinem Rechner sehen! Ob ich ein System habe? Der Rechner hat sowas, ganz sicher… Verzeihen Sie mir? Nehmen Sie ruhig noch einen Schluck.

Im März war ich ein wenig sentimental und überwältigt von allem. Überdies habe ich in diesem Monat einen meiner berühmtesten Artikel über den Quark verfasst ( 😀 ), endlich ein langjähriges Zahndrama abgeschlossen, festgestellt, dass Pubertät richtig cool ist, offenbar fast schon berühmte Liebesbriefe an meine Kinder verfasst ( ❤ ) und ganz nebenbei bin ich 41 Jahre alt geworden.

Ja wie, Sie hätten nicht gedacht, dass ich tatsächlich feinfühlig schreiben kann? Doch, das kann ich, aber ich kann Ihnen doch nicht von allen Artikeln dieses feinfühligen Monats in diesem Gespräch erzählen. Sie wissen ja jetzt, ich schreibe viel! Schmökern Sie doch einfach mal im Archiv herum, Sie werden staunen. Aber vorerst erzähle ich Ihnen noch vom April, einverstanden?

Im April verfasste ich drei der beliebtesten Artikel meines Blogs, wobei die Nummer drei einen bestürzend tiefen Einblick in meine zerrissene Seele lieferte:

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Ich brauch‘ eine kurze Pause, die Erinnerung daran ist nicht ganz so schön. Stoßen wir auf eine gute Zukunft an? Skål!

Im Mai stellte ich unter anderem fest, dass Mamasein einfach nur zum Weinen schön ist, dass Outlander das Star Wars für so manche belesene Frau ist ( an dieser Stelle ein mädchenhaft entzücktes „kreiiiisch!“) und ich habe ziemlich gemotzt. Nein, das verlinke ich lieber nicht. Gehen wir lieber gleich zum Juni über, ist das in Ordnung für Sie?

Der Juni brachte ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle. Wir hatten eine Riesenangst in unserem neuen Daheim – also zumindest ich und die Zwillinge – , einen Einbruch in unserer Nachbarschaft und Besuch. Besuch ❤ von wundervollen Menschen <3. Außerdem vermochte mich der wundervolle Preußenbayer regelrecht umzuhauen und schließlich entstand der für Sie wichtigste Text von allen über das elementarste Problem Dänemarks: Hier gibt es keinen DM! Wie, das wussten Sie noch nicht? Sie werden ja ganz bleich! Ooooooh! Bitte fallen Sie nicht in Ohnmacht, trinken Sie besser noch einen Schluck und beruhigen Sie sich bitte wieder! Ich weiß doch inzwischen, wo man selbst im Dm-losen und ro_Ssm_annfreien Dänemark günstige Drogerieartikel bekommen kann!

Und? Geht’s wieder?

Im Juli weinten wir ein wenig viel, weil wir uns wieder von den wundervollen Menschen verabschieden mussten und weil wir immer noch keinen Sommer hatten. Der kam übrigens nicht wirklich in diesem Jahr nach Nordjütland! Der Juli war übrigens so voller Erlebnisse, dass ich gar nicht weiß, was ich Ihnen jetzt zum Lesen empfehlen soll. Wie wäre es damit oder damit? Oder steht Ihnen der Sinn eher nach Witzigem oder eher nach tiefsinniger Lyrik? Aber vielleicht lesen Sie einfach selbst ein wenig im Archiv herum. Macht es Ihnen was aus, wenn ich derweil einen Schluck Weißwein nachschenke und mir die Sterne draußen anschaue?

Lassen Sie sich ruhig Zeit, ich schaue mir die Sterne gerne an. Wir sehen uns dann morgen wieder, ja?

 

 

 

 

 

 

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17 Gedanken zu “Auf ein Glas Wein mit Meermond

  1. Ja so ein Jahr gibt ganz schön was her an Erlebnissen! Posit! Nee, Prosit … Ich fange gerade an, Tiramisu für morgen zu machen, und mein Mann hat eine gaaanze Fasche Kalua gekauft, anselle, anstelle einer halben Falshce …

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