Langeweile – was ist das bloß?

Stellen Sie sich folgende Situation vor:

Sie befinden sich inmitten eines fachwissenschaftlichen Vortrags, als das Telefon klingelt. Noch bevor Sie selbiges aus Ihrer Tasche gekramt haben, wissen Sie, dass das ein Anruf aus dem Kindergarten ist.

Sie verstehen folgende Fragmente:

Zähne, Unfall, wackeln, Tischplatte, locker, Zahnarzt, Blut, anrufen.

Vortrag beendet. Sie laufen zur Dänisch sprechenden Sekretärin und bitten Sie, den Kindergarten anzurufen und zu fragen, ob der kleine Belgier abgeholt werden muss.

Ja, sollte er.

Die nette Sekretärin telefoniert auch gleich mit der Zahnklinik.

„Wie lange brauchst du von hier aus zur Klinik?“

„Etwa 25 Minuten.“

„Du hast 30 Minuten. Skynd dig!“

Dem Oberchef wird auf dem Gang das Geschehen erläutert, welcher sofortigen Aufbruch befiehlt.

Sie wissen, wie es weitergeht? Kind holen. Zahnarzt. Fertig.

Bei Ihnen vielleicht.

Bei mir ging es so weiter: Rotfrau rast zum Auto, Warnlampe brennt auf.

Waaaaah, ich wollte ja nach der Arbeit gemütlich nach einer Tankstelle suchen! Zwischen Arbeit und Autobahn ist nämlich keine. Im Kopf blitzten folgende Zahlen auf: Aalborg – Zuhause = 29km. Zuhause – Kindergarten = 7 km mindestens. 30 Minuten Zeit für Zahnarzttermin. Tanken? Wo? Wie? Zeit?

Mit 110 tastete ich mich schwitzend bis 7 km vor der Heimatausfahrt. An der Raststätte gab ich auf und tankte ein bisschen. Die verbleibende Strecke raste ich mit Vollgas. Rein in den Kindergarten, Belgier rausgeholt, verstörten Wikinger geküsst und den vollgebluteten Winzling zum Zahnarzt befördert.

Drei Schneidezähne locker, aber die können durchaus wieder festwachsen. Uff. Zwei Wochen Schonkost und abruptes Ende der Schnullerära.

Um halb drei Uhr nachmittags wird den Zwillingen bewusst, dass wirklich keine Diddis mehr da sind. Der kleine Wikinger tickt völlig aus und schreit mehr als 45 Minuten wie am Spieß, der kleine Belgier fällt nach 20 Minuten Schreien in den Schlaf. Um dreiviertel vier wachen beide wieder auf. Der Wikinger schreit erneut über eine halbe Stunde. In der Zwischenzeit pluppt ein Bild vom wundervollen großen schwarzen Mann in WhatsUpp auf. Im ist ein halber Zahn weggebrochen. Hübsch 🙄

Der Tag endet in einem erneuten Einschlafdrama: „Ich brauuuuch meinen Diddi!“

Seit gestern kamen ein erneuter Zahnarztbesuch, eine U-Untersuchung, ein Friseurbesuch und eine weitere bakterielle Infektion aus dem Kindergarten dazu. Und morgen habe ich Ausnahmedienst von 8 bis 22 Uhr.

 

 

 

 

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19 Gedanken zu “Langeweile – was ist das bloß?

  1. Und weiter mit Karacho durch’s Leben….
    Bei Euch hört es ja überhaupt nicht auf!
    Nach dem Satz mit dem GsM müsste ich allerdings laut lachen. Sorry und die besten Grüße an den GG.
    Heileheile-Wünsche an alle die sie brauchen.

    Gefällt 1 Person

  2. Au weia, dass ist ja ganz schön heftig. So langsam ist es aber auch mal gut . Aber das Ganze hat auch ein Gutes, so kommen die Schnullis wenigstens weg. Ich drücke die Daumen, dass die Zähnchen wieder fest werden !
    Lg
    Birgit

    Gefällt 1 Person

  3. ich habe selten so gern „gefällt mir“ angeklickt…….wie sagt der Amerikaner….when it rains, it pours….Du Arme……das EInzige, was vielleicht tröstet…alles hätte sehr viel schlimmer kommen können!!!

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