Warum Nessie auf unserem Küchentisch auftauchte

Tja, die Zeit auf der Couch ist vorbei, Mama hat ihren Dienst wieder aufgenommen.

Und vorbei ist auch der Ausflug in die Welt der Literatur, heute muss man also wieder normale „Alltagspoesie“ lesen. Keine tiefsinnigen Gedanken, keine schönen Sprachbilder und keine Rücksicht auf Textsortenmerkmale.

Zugegeben, eine Kurzgeschichte erfordert eine gewisse Konzentration, aber ich liebe es, bewusst „guckten“ zu schreiben und dann kritisch darüber nachzudenken, warum ich einer umgangssprachlichen Formulierung einem Ausdruck der neuhochdeutschen Schriftsprache den Vorrang geben möchte.

Die heutigen Zeilen vermögen niemanden zum Denken anzuregen, sie sind einfach eine Plauderei aus meinem Nähkästchen.

Ein simpler Mamablogeintrag. (jaja, unterringle du nur, du Texterkennungsprogramm. Ich mag das übliche „post“ nicht dranbaumeln!) Ich könnte jetzt eigentlich stöckelnd-witzelnd über meinen heutigen Schreibanlass heralbern (nicht schlecht, das Wort), aber ich finde, das tun inzwischen schon viel zu viele. Am Anfang war es ja noch ganz witzig und diejenigen, die ursprünglich damit begonnen hatten, die können es auch hervorragend. Aber Masse löst Klasse zunehmend ab. Von überall her zwitschert inzwischen ironische Ergebenheit der im Chaos improvisierenden Mütter auf mich ein und in den immer beliebter werdenden Elternratgebern werden zahlenweise amüsante Merkmale (5, 7, 10 oder 1457 Dinge, die…) aufgelistet, warum Dies oder Das bei Eltern ein schulterzuckendes „Achjaaaaa!“oder fulminante Erleuchtung hervorrufen sollte. Oftmals sogar mit dem Hinweis „Ironie off“ oder so versehen. Ach nicht doch, bitte!

Klar kann ich Satire, ziemlich gut sogar, aber die Ironie an dem Ganzen ist, dass bereits zuviel herumsatiert (was für ein brillanter Neologismus!) wird. Und wenn ich so darüber nachdenke, bin ich in auf dem besten Weg, von meiner ursprünglich geplanten Geschichte in eine gewisse Zynik zu geraten. Zurück daher zu meinem Schreibanlass – dem Mamablogeintrag.

Die Zwillinge möchten nach dem Kindergarten eigentlich sehr gerne ein Schläfchen machen. Verständlicherweise sind sie nach ihrem langen Arbeitstag – ich bin der Meinung, für kleine Kinder ist das tatsächlich Arbeit – müde, aber um drei Uhr nachmittags kann ich die beiden einfach nicht so mirnixdirnix schlafen lassen. Sie gehen nämlich dann am Abend nicht ins Bett!

Also haben wir heute mit ihnen gebastelt. Eine Papageienmaske, die sie selbst „klippern“ (Anm: schneiden heißt auf Dänisch „klippe“) durften. Großer Spaß und dann auch noch mit dem Limstick (inzwischen entstehen famose Sprachvermischungen) rumkleben, das war grandios. Der große Bruder hatte zwei Dekoscheren aus seinem Fundus geholt und so wurden Wellen und Zacken geklippert.

Kurze Zeit später tauchte der Große mit Wachsmalstiften und Knete auf. Beides Sachen aus seiner Grundschulzeit. Warum er die noch hatte, ist eine andere Frage. Die Kinder haben gerne damit gespielt und der wundervolle Papa überraschte mit seiner Kreativität:

Nessie

Nessie.

Aber gucken Sie doch mal bitte genauer hin!

Nessie2

Na? Aufgefallen?

Richtig. Hellgrün, Rosa und Türkis waren die einzigen Knetgummistangen, die mein großer Preußenbayer während seiner Grundschulzeit tatsächlich benutzt hatte! Alle anderen Stangen waren noch ORIGINAL und nagelneu! Für Nessie und zum Zerklippern ideal!

Da erinnere ich mich doch an eine irrsinnig lange Liste, die mein damals kleiner Preußenbayer von seiner Grundschullehrerin bekommen hatte. Gefühlt dreitausend Tonnen Schreib- und Mal- und Bastelmaterial pressten sich in die nagelneue Rückenwunderschultasche und drückten den einst schmächtigen Schulanfänger auf die durchschnittliche Landhöhe hinter niederländischen Nordseedeichen. Für schlappe 2 Schrillionen Euro! Auf dem Zettel wurde ich damals explizit darauf hingewiesen, doch bitte die Markenkneti aus der Schreibwarenabteilung zu kaufen, denn normale Kinderkneti würde den pädagogischen Ansprüchen nicht genügen. Nun ja, Qualität hat ihren Preis und hält sich offenbar neun Jahre in der Kiste. Genau wie die dringend benötigten Markenwachsmalkreiden, über die sich die Kinderchen besonders freuten:

Nessie3.jpg

Sie wollen 10 Gründe wissen, woran Sie erkennen, dass Sie viel zuviel unnötiges Geld zum Schulanfang Ihrer Kinder zum Fenster hinaus geschmissen haben? Bitte sehr:

  1. Schwarz
  2. Gelb
  3. Hellblau
  4. Rot
  5. Lila
  6. Grün
  7. Weiß
  8. Braun
  9. Blau und
  10. Nessie.

 

 

 

 

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17 Gedanken zu “Warum Nessie auf unserem Küchentisch auftauchte

    • „Was nix kost‘, is nix“, pflegte meine Oma immer zu sagen. Oft musste ich bereits feststellen, dass sie damit Recht hatte. Qualität hat seinen Preis.
      Ganz herzliche Grüße und ein schönes Wochenende!

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  1. Also bei uns früher (aahhhh, so lange her) hieß das noch Plastilin. Es wurde in kürzester Zeit zu einer grauen Masse, wenn man die Farben vermischt hat. Aber es war viiiieel besser zu formen als das Pl…Do… von jetzt. Es war auch wahrscheinlich viel chemischer und nicht unbedenklich!! Aber wir haben es überlebt und unsere Kinder auch. Und niemand kam darauf, einmal in eine schön geformte Banane zu beißen, weil das Zeug einfach ekelhaft roch!
    Das ist heute bei Pla..Do..schon mal der Fall, aber es ist ja völlig ungefährlich..haha

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  2. Menna wachhalten ist wirklich ein schwieriges Unterfangen 😉 Die Wachsmalkreide unserer Tochter sieht ähnlich aus. Vor längerer Zeit habe ich mal eine Knete gefunden , die roch noch genauso wie in meinen Kindertagen . Den Geruch hab ich sofort wieder erkannt 🙂 . Heute , finde ich , riecht die Knete nach nichts – oder ?

    LG
    Birgit

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