Der Tag, an dem ich mein Facebookprofil löschte

Witzigerweise ist das gar nicht so einfach, weil das Datenmonster seine „Mitglieder“ (das per se ist schon eher ein Euphemismus) unbedingt behalten will. Doch im Internet findet man gute Anleitungen, wo man das versteckte Löschknöpfchen drücken kann.

Allerdings muss man 14 Tage warten, bis die Löschung aktiv wird. Sollte man sich in der Zeit aus Versehen mal wieder einloggen, dann war es das mit Stilllegung…Ich warte also.

Ich warte auf mein Post-Facebook-Leben.

Im Prinzip hätte ich das Profil getrost im Netz dahinvegetieren lassen können: Ich war mit meinem Geburtsnamen angemeldet, postete nie, presste nie ein Like und ein Bild gab es auch nicht von mir. Ich brauchte es eigentlich nur, um mit meinen wenigen Facebookfreunden Kontakt zu haben. Zu chatten.

Ich gehörte nicht zu den Leuten, die Bilder oder Beiträge von anderen weiterleiten, kommentieren oder „liken“ (schauderhaftes Wort!). Der Gefahr, Realität mit Social Network zu verwechseln, war ich niemals ausgesetzt und keiner meiner Söhne muss sich aufgrund schauderhafter Selfies oder peinlichen Szenenfotos seiner Mama schämen.

Vor ein paar Wochen wurde es interessant.

Ich staunte nicht schlecht, als man mir via Email plötzlich Menschen vorschlug, die ich erst in Dänemark kennen gelernt hatte. Ein Bezug zu meinem bayerischen Schattenprofil anhand logischer Verknüpfung war eigentlich nicht möglich – folgte ich doch stets nur dem Link zur lesenswerten Benachrichtigung in den erhaltenen Emails.

Sofort fragte ich in meiner Softwareprofirunde nach, wie das denn sein könne.

Im Frühjahr hatte ich von meinem gsM ein neues Smartphone geschenkt bekommen, auf dem die Facebook App vorinstalliert war. Mangels Interesse und einer gewissen Unwissenheit geschuldet, habe ich die App nicht deinstalliert, sondern schlichtweg ignoriert. Fehler einer Unwissenden. Facebook weiß inzwischen auch, wo ich arbeite. Das ist eigentlich der Hammer!

App deinstalliert, in Sicherheit geglaubt – Irrtum. 

Ende August schlug die Bombe ein: WhatsApp schickt jetzt also Telefonnummern an Facebook. Wer das nicht will, hat noch etwa eineinhalb Wochen Zeit, einen im letzten Update gesetzten Zustimmungshaken zu entfernen. Dabei wäre es doch so schön, noch mehr Freunde, noch bessere Werbung und noch mehr Profilfotos zu sehen, wenn wir schon dabei sind!

Nun, wenn man den Haken entfernt hat, dann werden die Nummern zwar nicht mehr an Facebook geschickt, aber dennoch holt sich WhatsApp alle Kontakte (auch die von denen, die WhatsApp oder Facebook gar nicht wollen) vom Telefon herunter. Ungefragt werden diese Daten gesammelt und in Amerika gehortet. Dagegen kann man sich gar nicht wehren und im Falle eines Datenmissbrauchs haftet laut neuer AGBs der Telefoninhaber – nicht der feine Herr Z.! Ist nicht so ganz sauber, diese Nummer mit den Nummern, wie ich finde!

„Ich habe nichts zu verbergen. Die wissen eh‘ schon alles über mich.“

Das mag schon sein. Dennoch ist offensichtlicher Datendiebstahl und potentieller Missbrauch auf (im Falle von Abmahnungen etc.) meine Kosten zuviel des Guten. Ich möchte schon gerne selbst bestimmen, was ich preisgebe/n muss.  (Ausnahmsweise verrate ich Ihnen hiermit, dass die große rote Frau nicht immer 100% die Wahrheit ins Netz hinaustippt und da und dort phantasievoll verschweigt! Meermond ist mein Blog und ein Teil von mir, aber nicht Ich.)

Ich habe also auf den Löschknopf gedrückt. Und soll ich Ihnen was verraten?

Es hat gar nicht weh getan! Überhaupt nicht und ich lebe noch! 

Ich unterhalte mich weiterhin mit meinen wundervollen Lieben – halt auf andere Weise, da WhatsApp ebenfalls deinstalliert wird: Es gibt alternative Chatprogramme, denen man den Zugriff auf gespeicherte Kontakte verbieten kann und die dann trotzdem noch einwandfrei funktionieren!* Es gibt SMS. Es gibt Email. Es gibt Telefon.

Und es gibt mich in Echt – wenn Sie das denn ertragen.

[*WhatsApp funktioniert nicht mehr in zufrieden stellender Weise, wenn man diesen Zugriff verweigert.]

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43 Gedanken zu “Der Tag, an dem ich mein Facebookprofil löschte

  1. Ich habe mich damals bei Facebook angemeldet, weil ich alte Bekannte und Familienmitglieder wiederfinden und den Kontakt zu diversen Leuten halten wollte, die ins Ausland gezogen sind. Aber seit Ende 2013 bin ich auch raus. Da ich (noch) kein Smartphone besitze, habe ich auch kein WhatsApp. Nach deinem Bericht hier werde ich es auch nie haben.
    Ich chatte via skype mit einigen wenigen Leuten, that’s it, ansonsten E-Mail.

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  2. Liebe Meermond
    vielen Dank, das war äußerst informativ.
    Ich hatte kurzfristig die Idee man könnte sich ja bei FB anmelden muss ja nicht der „echte “ Name sein..Einfach um mal nachzuforschen wo sind bestimmte Personen geblieben , die so sang und klanglos einfach verschwanden.. nicht um zu „Liken “ oder zu schreiben..
    Aber dieses „Erlebnis“ sorgt doch dafür, muss nicht sein, die Krake soll hingehen wohin sie möchte zu uns nicht.. G´tt sei Dank man kann auch aus den Erfahrungen anderer lernen.
    Und braucht nicht alles selber auszuprobieren..
    Danke
    Liebe Grüße Wortgestoeber

    Gefällt 1 Person

  3. Lieber Meermond!
    Wie gut, dass Sie Ihre wunderschöne dänisch-bayrische Bloghütte nicht gelöscht haben. Dieser Kontakt hätte mir sehr gefehlt. Und da eine Kuh aus Malibu zu Fuß vermutlich ziemlich lange brauchen würde, um den Norden zu erreichen, würden wir uns folglich sehr lange nicht sehen. Wunderbar, dass es so geht. Und was bin ich froh, dass ich nie bei Facebook angemeldet war, wenn ich das alles höre wird mir schwindelig. Aber war ja zu erwarten, es wird schließlich ohnehin immer alles gespeichert, auch wenns ordnungsgemäß heißt, nein nein, ihre Daten werden nicht gesammelt… 🙂
    So wünsche ich Ihnen auf diesem Wege ohne zu liken (wirklich ein scheußliches Wort!) aber mit einem ganz wohlwollenden lauten Muh aus Malibu einen angenehm facebookfreien Abend.
    Herzliche Grüße
    Mallybeau M.

    Gefällt 3 Personen

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