Dänische Kultur: Was ist eigentlich „typisch dänisch“? [2]

Was isst man denn so, wenn man Däne ist?

Nachdem ich im ersten Teil (*hier klicken*) auf Familie, Arbeit und Autofahren eingegangen bin, möchte ich heute gerne ein wenig über dänisches Essen schreiben. Essen ist wichtig für Leib und Seele, denn neben der Befriedigung physischer Grundbedürfnisse erfüllt Essen für mich einen sozialen Zweck, wenn es denn innerhalb einer Gruppe geschieht.

Ich persönlich liebe es, am Abend mit meiner Familie zu essen. Wir sehen uns oft den ganzen Tag nicht und so kann man endlich überprüfen, wie die geliebten Familienmitglieder gerade aussehen und ob sie auch alle gesund und munter sind. Alle Eltern eines Pubertiers können dieses mütterliche Bedürfnis sicherlich nachvollziehen.

Vor einer Weile hatten wir Besuch von unseren Nachbarn. Sie wollten schon seit unserem Einzug einmal Weißwürste, Brezen und Sauerkraut probieren. Zufällig waren alle Lebensmittel im Übermaß vorhanden und so konnten wir die nachbarschaftliche Neugierde befriedigen. Während sie das Sauerkraut eher sehr merkwürdig fand, konnte er gar nicht genug davon bekommen und die Brezen waren sowieso der Hit. Begeistert mampfend fragte Jan mich schließlich, ob wir denn auch mal was Dänisches essen würden.

Was er denn darunter verstehe?

Na medisterpølse (eine grobe, riesige Wurst, die entweder gegrillt oder gebraten wird) , stegt flæsk (das sind stark gebratene Bauchfleischscheiben mit Kruste, die zu Petersiliensauce und Kartoffeln serviert werden) oder hakkebøffer (entweder mit Speck ummantelte oder auch pure Hackfleischklöße [ich nenne die Dinger mundartlich Fleischpflanzl], zu denen man reichlich braune Sauce und Kartoffeln reicht)!“

Der aufmerksame Leser bemerkt umgehend die Fleischlastigkeit dänischen Essens. Und in der Tat kommt es mir so vor, dass man hier im Norden Dänemarks nicht nur weniger Einwohner als Schweine beherbergt, sondern jene tatsächlich zum Fressen gern hat.

Ein Essen ohne Fleisch scheint hier nicht als vollwertige Nahrung zu gelten und zu allem kann man sowieso Bacon servieren, was eine Mitteilung vom großen, schwarzen Mann vermuten lässt:

„Heute gibt’s Lasagne in der Kantine. Dänische Lasagne geht so: Die Form zur Hälfte mit Hackfleisch und etwas Tomatensauce füllen, eine dünne Lage Nudelplatten darauf, und dann den Rest mit Hackfleisch auffüllen. Backen, bis die Nudeln weich sind. Wem dies zu fleischarm ist, darf noch eine großzügige Lage Bacon oben drauf legen.“

Im Supermarkt können in den Selbstbedienungstheken gewaltige Schweinebraten (quasi eine halbe Sau am Stück!) erworben werden und auch Hackfleischpackungen mit zwei Kilos sind im üblichen Dauerprogramm. Sehr beliebt sind Roastbeef und Leverpostej, welche häufig auch warm und frischgebacken angeboten wird.

Gerade am Freitag scheint es nicht nur üblich zu sein, Blumen und slik (Süßigkeiten) zu kaufen, sondern auch zu den vielseitigen, preiswerten Fertiggerichten (siehe unten, ca. 10 Euro), die in den Fleischereiabteilungen vorbereitet werden, zu greifen:

Huhn

Huhn mit Wurst – einfach Sahne dazu und ab damit in den Backofen. Nemt og hurtig (schnell und einfach) ! Den Jungs hat das sehr geschmeckt und auch all die anderen Gerichte, die ich seither gekauft hatte, waren nicht nur liebevoll vorbereitet, sondern auch gut und ich erspar(t)e mir das Kochen von zwei Gerichten.

 

Smørrebrød

Zur frokostpause (Mittagpause) wird gerne das bekannte smørrebrød gegessen, welches meiner Meinung nach immer wieder auf’s Neue schön anzusehen ist. Es werden regelrechte Kunstwerke auf kleine Roggenbrotscheibchen gestapelt und man gibt ihnen sogar Namen: Stjerneskud, Dyrlægens natmad oder Sol over Gudhjem. Als Belag kann man zwischen Leberwurst (mit roter Beete), Hering, panierten Fischfilets mit Krabben, Roastbeef und vielem mehr wählen. Verziert wird beispielsweise mit Sprossen, Kräutern und Salat.

Wer in Dänemark urlaubt, sollte sich das wirklich einmal gönnen! Ich bin mir leider nicht sicher, ob es rein vegetarische Versionen gibt, vegane habe ich bislang nicht entdeckt.

Koldskål 

Der Sommer naht und sie kommt in zahlreichen Varianten zurück in die Kühlregale: die Kaltschale! Laut Wikipedia handelt es sich um ein Milchgericht mit Buttermilch, aber das ist so nicht richtig. Es gibt verschiedene Varianten, eine koldskål zuzubereiten und würde meine Mama noch leben, so hätte sie sie vermutlich genau so gemacht, wie die mormor koldskål: mit Dickmilch, Ei, Zitrone, Zucker und Vanille. Cremig, weich, vanillig.

Aber im Prinzip mögen wir alle, egal ob mit Dickmilch oder mit Buttermilch zubereitet, ob mit Erdbeere oder Zitrone. Sie schmecken allesamt köstlich und sind erfrischend. Nicht, dass dänische Sommer so heiß wären, dass man Erfrischung nötig hätte, aber so kann man zumindest das Gefühl haben, dass es draußen heiß wäre.

koldskål1

Eine koldskål wird als Zwischenmahlzeit zusammen mit den sogennannten kammerjunkern oder verschiedenem drys gegessen. Keine Sorge, wer das gerne probieren möchte, der findet üblicherweise in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kühltheke alles, was das Volk froh macht (vgl Aufdruck) oder bereits fertig zubereitete Becher:

kammerjunker

Nun steht also dem hoffentlich bald kommenden Sommer nichts mehr im Wege, zumindest für den Geschmack von Sonne und Sommer (vgl Aufschrift Kammerjunker) ist ab jetzt im Supermarkt gesorgt.

Velbekomme! 

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63 Gedanken zu “Dänische Kultur: Was ist eigentlich „typisch dänisch“? [2]

  1. Koldskal tönt verführerisch gut. Für meinen Mann wäre das viele Fleisch verlockend…
    Hi hi, dass jemand Sauerkraut mag, wenn man es als Erwachsener zum ersten Mal probiert. Chapeau.
    Toller und interessanter Bericht. Danke.
    Herzlich. Priska

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  2. Interssanter Bericht! 🙂
    Fleischlastig ist das süddeutsche Essen mit all den Schweinshaxen und tausend Wurstsorten und Zwiebelrostbraten usw. ja auch. Wir Schwaben haben halt noch die Kässpätzle erfunden – ganz ohne Fleisch, aber nicht weniger gehaltvoll. 😉
    Diese Gerichte stammen aus einer Zeit, als die Menschen noch körperlich arbeiteten. Inzwischen setzen sich Pasta und Veggie ja immer mehr durch, aber trotzdem ist es interessant, wie die traditionellen Mahlzeiten in den einzelnen Ländern aussehen. 🙂
    Isst man bei euch auch diesen seltsamen vergorenen Stinkfisch? Oder ist das was Schwedisches?
    Appetitliches Grüßle aus dem Süden!

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  3. Ich muss gestehen, ich liebe Leverpostej und besonders mir eingelegter roter Bete. Oder auch mit Apfel. Ja, fleischlos ist durchaus eine Herausforderung in Dänemark, aber es kommt so langsam… Und Kodskål ist suuuuper, oder hytteost, der dänische Crème Fraîche oder auch die kærnemælk…😋was ich an den meisten dänischen Supermärkten so liebe, ist, dass Bio kaum teurer ist. Eine Krone mehr für Biomilch, weil es subventioniert wird. Das ist doch schon mal ein guter Weg!

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    • Also hier im Norden bezahle ich für die Biomilch immer 11kr, die A…a normal sødmælk gibt es für 6kr.
      Kann aber sein, dass die let-, mini- oder skummet günstiger wäre, aber die trinken wir nicht 🙂
      Bio kommt tatsächlich immer mehr und damit auch das Angebot an fleischlosen Produkten. Jeah!!!
      Liebste Grüße

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  4. Das wusste ich wirklich nicht, dass die Dänen derart fleischig sind. Ich für meinen Teil muss in meinem Dänemark Urlaub das Grovhacket (ich hoffe richtig geschrieben) haben. Es sieht ziemlich unansehnlich aus, schmeckt aber richtig gut und ähnelt unserer Leberwurst. Ich habe auch schon mal Grovhacket mit nach Hause genommen, hier schmeckt es aber nur halb so gut.

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    • Grovhakket ist eine grobe leverpostej, also Leberpastete. Hast du schon mal versucht, sie warm zu essen? Oder mit rote Beete?
      Vegetarisch kochen ist tatsächlich eine Herausforderung hier, in Restaurants noch mehr 😉
      LG

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    • Man bekommt auch hier in Dänemark immer mehr Alternativen zu kaufen. Aber sogar in den Ketten ist das von Laden zu Laden verschieden. Die meisten vegetarischen Produkte bekommt man in Gegenden, wo viele Inder oder Pakistani wohnen … aber unser lokaler Aldi hat eine recht gute Auswahl.
      In Schweden war das vor 10 Jahren schon Gang und Gebe mit Vege-Alternativen, auch im Restaurant. Auch Finnland ist da sehr fortschrittlich.
      In Norwegen waren wir nie essen. Beim ersten Blick auf die Speisekarte (Preise) fielen wir fast um vor Schreck und gingen in den nächsten Supermarkt.

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  5. Lieber Meermond!
    Nun läuft mir mal wieder das Wasser im Munde zusammen, nachdem ich Ihren schönen Beitrag gelesen habe. So viel Fleisch wäre allerdings nichts für mich, wenngleich die Portion auf dem Foto sehr schön aussieht und wirklich preiswert erscheint. Aber wenn ich mir so das Kammerjunker-Gebäck betrachte, habe ich keinerlei Befürchtungen, dass ich auf diese Weise eine ganze Weile in Ihrer herrlichen Gegend überleben würde 🙂
    Bei so viele Weite im Norden müsste es aber doch machbar sein, sich ein paar Kühe zu halten, aus deren Milch sich dann guter dänischer Käse machen lässt, oder?
    Herzliche Grüße von der fast vegetarischen Alm
    Mallybeau

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