Dänemark brennt – Sankt Hans

Am 23. Juni wabert ein stinkender Nebel über die Weiten Dänemarks. Überall brennen Feuer – viele! – und überall feiern Menschen die Sommersonnwende. An diesem Abend wird auch das Böse verbrannt: eine Hexe auf den gewaltigen Scheiterhaufen muss in Flammen aufgehen und wenn sie denn brennt, bricht große Begeisterung aus.

Dieses Jahr sind wir zum zweiten Mal an den Strand von Blokhus gefahren, um bei diesem Spektakel dabei zu sein. Livemusik, das witzige Kaffeeauto, eine Bar und viel zu viele Menschen verwandelten den Strand in ein wuseliges Volksfest.

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Blokhus platzte heute aus allen Nähten, nirgends gab es noch einen Parkplatz und mit den zwei bereits müden Kleinkindern wagten wir uns mit dem Auto auf den Strand. Siehe da, diese Idee hatten nicht nur wir….

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Puh, nach einer ziemlichen Weile und nach einem waghalsigen Wendemanöver hatten wir doch noch einen Platz auf der anderen Seite der Einfahrtsstraße gefunden und wanderten mit großen Augen dem noch größeren Holzhaufen entgegen.

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Die Zwillinge freuten sich sehr über das Aussehen der Hexe, denn die, die sie am Morgen im Kindergarten verbrannt hatten, hatte seltsamerweise einen Flyverdragt (vermutlich ein vergessener, nicht abgeholter Kinderskianzug) an! Seit wann tragen denn Hexen einen Flyverdragt?  Ich fand die Empörung des kleinen Belgiers sehr lustig.

Am Kaffeemobil wuchs die Schlange der geduldig Wartenden, fröhliche Musik lud zum Mitschunkeln ein und überall feierten Menschen mit oder ohne Weinbuddel. Der Rauch von Løkken und Rødhus war schon lange zu sehen, doch wir mussten uns bis Viertel nach neun gedulden, bis der Haufen endlich in Flammen aufging. Als die brennende Hexe umfiel, brandete Applaus auf.

Wir sahen viele fröhliche Menschen jeden Alters, die trotz enttäuschendem Wetter die Sommersonnwende feierten – und wir mittendrin.

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Morgen muss ich unsere finnischen Freunde fragen, wer die Wette gewonnen hat. In Finnland wird zur Sonnwendfeier dermaßen viel getrunken, dass man darauf wettet, wieviele Todesopfer nach Sankt Hans zu beklagen sind! Das ist übrigens kein Scherz!

So, und nun begebe ich mich in ein gut belüftetes Schlafzimmer, in welchem es dennoch arg nach Feuerrauch riecht 🙂

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34 Gedanken zu “Dänemark brennt – Sankt Hans

  1. Lieber Meermond!
    Solche Veranstaltungen finde ich klasse. Immer wieder bin ich ein wenig irritiert von den vielen Autos am Strand 🙂 Aber das Feuer ist natürlich beeindruckend. Gut, dass man Sie wegen roter Haarpracht nicht mit einer Hexe verwechselt hat 🙂
    Herzliche Grüße aus der Sahara
    Mallybeau …schwitz

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  2. Was steckt denn bitte hinter dieser „Hexenverbrennung“, irgendwie gefällt mir das gar nicht! Zumal ich mich frage was denn das mit der Sonnenwende zu tun hat, ich vermute eine Vermischung der Bräuche dahinter.
    liebe Grüße
    Ulli

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    • Ich war auch etwas irritiert, als ich die Hexe sah. Ich fragte ein Paar, das hinter uns stand, warum man das denn so mache. Sie wunderten sich darüber, dass sie das eigentlich selbst nicht wüssten 🙂 Nach einer Weile sprach die Frau uns noch mal an, Handy in der Hand. Man mache das als Symbol für das Schlechte.
      Ich erinnere mich, dass man auch in Deutschland Strohmänner ins Feuer wirft.
      Brauchtum wäre schon interessant, hätte ich mehr Zeit.
      LG aus Nordjütland

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      • Genau, zur Zeiten der Hexenverbrennungen wurden Frauen stark stigmatisiert und wurden zum Schlechten/Bösen, wenn sie anders waren, als von den Kirchenvätern gewünscht. So manche Kräuterfrau, so manche Frau, die ihre Rolle als schweigende Frau und Mutter nicht hinnehmen wollten landeten auf Scheiterhaufen. Heute wissen wir doch, dass es gute und schlechte Hexen und Hexer gab und gibt, sprich Menschen , die sich entweder der schwarzen oder der weißen Magie verschreiben (ohne jetzt viel über die eine und andere Richtung wirklich zu wissen – ich bin da Skeptikerin).

        Was nun die alten Bräuche anbelangt, so las ich vor ein paar Tagen, dass das Walpurgisfest, sowie die Sommersonnenwende Feste waren, die die Fruchtbarkeit feierten, damit einher gingen (so die Autorin) die Freude an der Fülle, der Macht (gemeint ist hier die Macht der Natur) und der Erotik. Es ging um Leichtigkeit, Heiterkeit und Genuss, beide Festen galten als die Feste der Sinnlichkeit/der fünf Sinne. Wie diese Aufzählung schon zeigt war das nicht im Sinne der Kirche, ob nun protestantisch oder katholisch. Genuss war verpönt, Erotik gehörte unter die Bettdecke, hinter verschlossene Türen und ausgeblendetem Licht zur Kinderzeugung. Freude, Genuss, Sinnlichkeit gehörten zum haidnischen, schlechten Leben und sollten ausgemerzt werden, was ja auch eine Zeitlang gelang. Heutzutage aber immer noch Hexen als das Schlechte zu verbrennen sollte doch einmal überdacht werden, nicht wahr?!

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        • Du schreibst, was ich dachte, liebe Ulli. Die alten Bräuche durften nur dann weiter ausgeübt werden, wenn sie unter kirchlich sanktioniertem neuen Etikett liefen. Ganz sicher wurden in vorchristlicher Zeit in Dänemark keine Hexen verbrannt. Das Verbrennen auf großen Scheiterhaufen war im alten Griechenland höchste Ehre für tote Helden. (Bei Homer nachzulesen). Herakles ließ seinen eigenen Scheiterhaufen schichten. Frauen wurden nicht verbrannt, weder lebendig noch tot, sondern höchstens mal eingemauert (Antigone)

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          • Dieses Phänomen zieht sich durch alle Jahreszeiten hindurch und wie oft es dann hinkt, wird nicht nur an Walpurgis und der Sommersonnenwende sichtbar- vielleicht wäre das ja mal ein Thema für einen ausführlicheren Bericht- schauen wir mal, jetzt ist Sommerzeit und Draußenzeit, aber der nächste Winter kommt ja bestimmt!

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          • LIebe Gerda, du hast mir mit deinem Kommentar gute Anregungen geliefert, um mich mal etwas mehr in die Geschichte Dänemarks einzulesen. Vielen Dank dafür!
            Herzliche Sonntagsgrüße

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        • Danke, liebe Ulli!
          Weißt du auch, dass Ostern eigentlich auch ein Fruchtbarkeitsfest war (und ist)? Der Hase und die Eier…
          Wurde ebenfalls aufeinandergelegt. Ich las einmal, dass die Kirche bewusst religiöse Feste auf „heidnische“ gelegt hat, um so „das Alte“ zu verdrängen.
          Ich hätte vermutlich auch gebrannt – meine Haare sind wild und rot. Da wäre es wurscht gewesen, welche Seite (weiß oder schwarz) ich gewählt hätte. Schlimm, dieser Gedanke!
          Hab einen schönen Restsonntag!

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          • ja, liebe Meermond, das mit Ostern weiß ich auch, die Eier haben zweierlei Bedeutung, zum einen legten ja die Hühner im Winter keine Eier, sondern erst wieder mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen (was schon Grund für ein Fest genug wäre 😉 ) und dann ist das Ei ja das Fruchtbarkeitssymbol per excellence- mit dem Hasen, so las ich es einmal, war es so, dass ihn, das scheue Wesen, der Hunger aus dem Wald auf die Felder und in die Gärten getrieben hat, und immer im frühen Jahr, sodass er zum Osterhasen mutierte- sicherlich müsste man mal diese Geschichte nachrecherchieren …
            ich hätte wahrscheinlich wegen meinem losen Mundwerk gebrannt …

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