Bloggeplauder: zwei Deutsche in Dänemark [3]

Nach dem ersten und zweiten Teil folgt heute folgt eine Fortsetzung des Bloggeplauders. In dieser Reihe unterhalte ich mich mit Blogger- und inzwischen Echtfreundin Stella über das eine oder andere interessante „Geheimnis“ über Dänemark und seine Dänen.

Da dieser Artikel ebenfalls direkt an den vorangegangenen anschließt, greife ich die letzten Zeilen noch einmal auf und setze dann unsere Plauderei fort:

[…] So wurde, wenn ich es richtig verstanden habe, auf Grund von großem Aufruhr in der Bevölkerung in Nordjütland das Fracking gestoppt. Es ist zwar immer noch nicht verboten, aber soweit ich weiß, wurde es im August 2015 aufgegeben.

Und bei uns wurde der seit 1972 als Tiergehege eingerichtete südliche Teil des Slotved Waldes in Sindal durch Bürgerabstimmung als Tierschutzpark für Dam- und Rotwild beibehalten, anstatt das Gebiet für die Jagd freizugeben.

Solche aktiven Bürgerinitiativen habt ihr sicherlich auch im Store Vildmose, nehme ich an.

Liebe Stella!

Ja, das Fracking ist vom Tisch. Was ich im Übrigen ganz großartig finde! Die Natur hier ist zu überwältigend, um sie so einem Unfug auszusetzen!

Ich liebe es, dass ich hier inmitten einer so schönen Welt leben darf und dass ich Gelegenheit habe, sie so mittendrin zu erleben! Dazu tragen die von dir erwähnten Picknicktische bei, die wir im Übrigen auch sehr gerne aufsuchen. Etwas südlich von Aalborg gibt es ein Naturschutzgebiet, das mich sehr reizt und welches ich in diesem Sommer zu besuchen plane: den Rebild Bakke!

Das lille Vildmose beherbergt im Übrigen ausgewilderte Elche. Wie toll ist das denn? Dann haben wir in Randers den Regenwald und dann die Wanderdünen und Skagen und und und …. Ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hin soll diesen Sommer!

Weißt du was, wir sollten vielleicht in den nächsten Wochen mal über einen Ausflug nach Rødhus nachdenken. Warst du da schon mal? Du wirst vermutlich genau das gleiche Problem haben wie ich: Was zum Kuckuck soll ich bloß zuerst fotografieren?

Picknickkorb und vollgeladenen Kameraakku nicht vergessen! 😉

Rødhus und Rebild Bakke kenne ich noch nicht. Das mit den Elchen habe ich gehört, aber ich habe noch keinen gesehen. Wir waren vor 3-4 Jahren mal da. Das ist so interessant da.

Rund um den Limfjord und die Seen um Silkeborg herum mit dem schwindelerregend hohen Himmelbjerg (175 m), sind auch zu empfehlen.

Aber jetzt freue ich mich erst einmal auf den Pfingstjazz in Blokhus. Das wird a Gaudi!

DA FIEL MIR DOCH NOCH WAS EIN …

Mein Mann und ich diskutierten das Selbstbild der Dänen: Mein Mann sagt, dass die Dänen glauben, dass alle Welt sie gerne mögen. Dänen sind ja so gemütlich, und im Ausland sind sie so willkommen und bekommen Dinge billiger usw., nur weil sie Dänen sind. Mein Mann meint, wenn die anderen grinsen oder hämisch lachen, weil sie sich so dumm benehmen, fassen die Dänen das als Sympathie auf. Ich weiß nicht, ob Dänen sich im Ausland schlimmer aufführen als andere Nationen. Für mich sind alle großen Gruppen Gleichgesinnter aller Art entsetzlich.

Was mir bei Dänen allerdings besonders auffällt ist, dass sie so laut sind. Manche Dänen demonstrieren wie viel Spaß sie haben, je lauter, je mehr Spaß. Also nicht nur im Urlaub und wenn besoffen. Wenn in der U-Bahn zwei Dänen zusammensitzen und miteinander reden, kann man sich nicht mehr denken hören. Je größer die Gruppe, je lauter wird es, und zwar gilt das für alle Altersklassen. Die Kunst ist, lauter zu reden als die anderen, damit die einen hören. Das ist auch auf Familienfeiern so, deshalb gebe ich meistens sehr schnell auf und begnüge mich damit, zu nicken und hold zu lächeln.

Am Strand einer kleinen Halbinsel in Südjütland beobachtete ich einmal zwei Paare an einem der besagten Picknicktische und ca. eine halbe Stunde lang sprachen alle vier gleichzeitig. Ich war sprachlos. Wie funktioniert das? Kann man den anderen zuhören und gleichzeitig selber reden? Wahrscheinlich alles Übungssache!    😉

Das mit den maulfaulen Jütländern ist auch nur eine Sage, die quasseln genauso viel wie die Kopenhagener, vielleicht nicht ganz so schnell.

Ich glaube, ich werde alt … 😉

Nein, du wirst nicht alt. Mir geht es genauso. Das Tempo zweier Dänen, die sich unterhalten ist enorm! Böswillig könnte ich jetzt anmerken, dass das gar nicht so schwer ist, denn die meisten Buchstaben werden sowieso nicht ausgesprochen. Als ich zum ersten Mal die Schreibweise von „Wabeha“ [hvadbehager] gesehen hatte, staunte ich nicht schlecht! 😉

Inzwischen versuche ich, Matador ohne Untertitel zu verstehen, aber ehrlich gesagt, tu ich mich mit noch immer leichter. Apropos Matador, schaust du dir das an? Als wir umgezogen sind, legte man uns nahe, UNBEDINGT diese Fernsehserie zu gucken. Man lernte angeblich dadurch, die Dänen und ihr Selbstverständnis, ihre Kultur und ihre Geschichte zu verstehen. Zugegeben, mit der Geschichte bin ich als Deutsche leider sehr wohl vertraut und was die Kultur angeht, so erkenne ich nicht wirklich erwähnenswerte Unterschiede. Auch in Deutschland gab und gibt es versnobten Geldadel, der sich für was Besseres hält. Die wirtschaftlichen Ereignisse sind ebenfalls nicht so neu für mich. Neu war allerdings der Humor, der hinter den Figuren steckt.

Demnächst werde ich von „Adams Äpfel“ und „Dänische Delikatessen“ erzählen. Hast du diese Filme schon einmal gesehen? Kennst du andere Klassiker, die man als „Einwanderer“ kennen sollte?

Wenn du mal schönes Dänisch hören willst, dann versuche mal, Morten-Korch-Filme in die Finger zu bekommen. Außerdem scheint in den Filmen immer die Sonne. Die sind aus einer noch naiven Zeit, in der selbst die Schurken keine wirklich boshaften Menschen waren. Ein Paradebeispiel ist der Film „de Røde heste“ oder auch „Vagabunden“ mit Paul Reichardt, dem damaligen George Cloony Dänemarks. Die beiden von dir genannten Filme habe ich noch nicht gesehen. „Festen“ hat Preise gewonnen, sogar international.

Ich finde, dass Menschen überall mehr oder weniger gleich sind, sie ziehen sich nur anders an. Ist doch so, überall haben die Menschen die gleichen Gefühle und Ängste (und Vorurteile gegen Leute, die anders sind). Deshalb sind diese ewigen Kriege ja so unnütz und blödsinnig.

Ja, da hast du Recht. Da braucht man gar nichts weiter dazu zu sagen. Danke für die Filmtipps. Der nächste, dunkle Winter kommt bestimmt und dann gucke ich in die Flimmerkiste.

Habe vorhin versucht (!), mir eine Zusammenfassung des G20 Gipfels anzusehen. Doch bereits die Anmoderation des Beitrags im Sp_egel TV hat mich furchtbar aufgeregt. Wie kann man als Reporter folgenden Satzteil  in eine Kamera sprechen: „… Kanzlerin Merkel, Macron und Trumpeltier …“ Das ist nicht nur unprofessionell, sondern auch ziemlich unverschämt. Übrigens benutzt dieser Onlinedienst meiner Meinung nach zu oft jenen Neologismus. Ich habe nicht verfolgt, wie das dänische Volk zu diesem Gipfeltreffen stand/steht. Aber Trumpeltier ist doch weder witzig, noch angemessen.

Die Reportage konnte ich nicht zu Ende gucken. Ich war einfach nur entsetzt. Was da in Hamburg los gewesen ist…! Ich bin froh, inmitten des Nichts zu wohnen. Inmitten der bescheidenen Dänen. Weißt du, die Dänen sagen nämlich von sich selbst, sie seien so bescheiden. Sie sind der Meinung, das am meisten bescheidene Volk der Welt zu sein 😉

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32 Gedanken zu “Bloggeplauder: zwei Deutsche in Dänemark [3]

  1. … wie bekomme ich jetzt die Brücke zu deinem feingewobenen Dänemarkbild… gar nicht… hin fahren und anschauen, diesesLand ist aus meiner Erfahrung heraus immer eine Reise wert und deine Untercover- Berichte sind absolutes brandlautes Material… 😉

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  2. Übrigens bin ich einig mit dir was Herrn Trump angeht. Er ist nun einmal das amerikanische Staatsoberhaupt, ob uns das passt oder nicht und sollte von den Medien zumindest mit seinem richtigen Namen und Titel erwähnt werden. Alles andere ist unprofessionell. Die sagen ja auch nicht „Pustihn“ oder „Erblödan“. Das habe ich jedenfalls in Dänemark noch nicht erlebt. Ausser, dass eine Zeitung Prins Henrik immer konsequent mit „Kong Henrik“ anredet seit dem Theater mit seinem Titel und dass er sich zurückgesetzt fühlt.

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  3. Ja, Hamburg, das ist ein Ding … aus verschiedenen Gründen. Man vergisst oft die Geschichte hinter den Geschehnissen …
    Was ich allerdings nicht verstehe ist, warum die angeblichen Antikapitalisten nicht in reichen Vierteln zerstören (oder Banken) und Mercedesse und BMWs anzünden, sondern in einem relativ minderbemittelten Viertel wie dem Schanzenviertel ihr Unwesen treiben und da auch noch kleine Läden plündern. Das ist ein ganz falsches statement, das da geliefert wird. Da wohnen keine Kapitalisten. Daher auch der Verdacht, dass es einfach nur um Lust am Zerstören geht.
    Allerdings sind Polizisten für mich auch keine Helden der Nation. Meine Generation hat zu viel Scheisse mitangesehen …

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  4. Lieber Meermond!
    Da haben Sie uns ja mal wieder wunderbare Einblicke in das dänische Leben gewährt. Ich musste schmunzeln, als ich das von der Lautstärke Ihrer Landsleute laß. Erst kürzlich meinte meine Mutter, dass die Chinesen im Urlaub immer so laut und rücksichtslos wären. Vielleicht empfindet man das bei anderen immer etwas anders?
    Den Film Dänische Delikatessen kenne ich. Hab ich aber schon ewig nicht mehr gesehen. Werd ich mal wieder machen, damit ich dann wieder restlos auf dem Laufenden bin, was bei Ihrem bescheidenen Völkchen so abgeht.
    Ich wünsche Ihnen einen erholsamen Abend, hoffentlich mittlerweile ohne Migräne und ein gutes Glaserl Wein 🙂
    Herzliche Grüße
    Mallybeau

    Gefällt 4 Personen

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