Nordjütländische Spezialität: Bjesk

Immer, wenn es uns in den Gamle Kømandsgaard (hier geht es zum Beitrag) nach Tornby verschlägt, gönnen wir uns eine kleine Flasche Klitbjesk.

Hvad er rund som en fin likør, barsk som gammel whiskey, snart som cognac fin og tør, snart med snert og pisk i, bedst at starte dagen på, god som middagslæsken og en aftendrink som få? Se, alt det er bjesken. 

[Etwas freier übersetzt:
Was ist rund wie ein feiner Likör, rauh wie ein alter Whiskey, mal fein und trocken wie Cognac, mal mit Ecken und Kanten, optimal, um einen Tag zu beginnen, gut als Mittagserfrischung  únd auch als Nachtrunk? Schau, das alles ist der Bjesk.]

 

Der Bjesk ist ein Kräuterschnaps, den man mit Hilfe von Kräuterauszügen herstellt. Wer so einen Bjesk einmal probiert, lernt den Geschmack kennen, den der im Vendsyssel häufige, rauhe Wind und die wilde Natur hervorbringen können. Den Bjesk gibt es nicht, denn so viele Kräuter hier wachsen, so viele verschiedene Sorten Schnaps gibt es. Und eines kann ich Ihnen verraten: Die kleine Flasche ist leider immer viel zu schnell leer!

Aus Kostengründen griffen wir bislang zur 250ml Karaffe, aber da wir gerne etwas öfter Fisch essen und ich nach Fischgerichten leider stets einen Schnaps trinken möchte, musste da eine Alternative gefunden werden:

Wir machen das jetzt selbst. Aber wie?

Glücklicherweise holen wir uns stets die überall ausliegenden Touristenbroschüren und Programmhefte. Übrigens kann ich das Büchlein „Den gode historie“ von Toppen af Danmark  jedem Urlauber besonders ans Herz legen. Es ist in mehreren Sprachen erhältlich, weist auf abwechslungsreiche Veranstaltungen hin und fasst am Ende sogar noch einmal in einer kalendarischen Übersicht alles zusammen. Besser kann man es einfach nicht machen:

 

Letzte Woche fuhren wir also nach Hirtshals ins historische Museum, wo man im Juli sowohl theoretisch als auch praktisch in die Kunst der Bjeskherstellung eingeweiht wird.

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Im Museumsgarten kann man sich die Kräuter und Pflanzen genauer ansehen, die man zur Herstellung der gewünschten Essenzen benötigt.

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Wer es genauer nachlesen möchte, der kann sich vor Ort sowohl Rezepte mitnehmen als auch eine deutschsprachige Informationsbroschüre mit exakter Anleitung für nur 20kr erwerben. Gell, man muss nicht wirklich lange überlegen, wer da bald mit Körbchen und Schere in den Dünen Kräuter sammelt und Essenzen ansetzt…?

Mitgebrachter Schnaps wird im Museum in Bjesk verwandelt. Es sollte ein möglichst neutral schmeckender Klarer [Gar nicht so einfach, denn erwähnte ich bereits, dass es in Dänemark fast überall nur Kümmelschnaps gibt?] sein, also entweder Brøndumschnaps oder Basisschnaps; letzterer wird im Schraubglas verkauft.

Richtig bekannt wurde der Bjesk durch die 1900 geborene Krankenschwester Signe Hansen, die damit auch die ärmeren Kranken behandelt hatte. Sie erwarb schnell großes Ansehen und war sehr beliebt. Im Ruhestand experimentierte sie mit den Kräutern und entwickelte neue Kräuterschnäpse. Große Berühmtheit erlangten Signe und ihre Bjesks, als 1982 das dänische Fernsehen über sie berichtete.

Der damalige Leiter des Museums in Hirtshals, Hugo Nielsen, führte nach Signes Tod (1985) ihre Arbeit fort. Im Museum kann man sich eine Flasche klaren Schnaps mit Essenzen eigener Wahl in seinen Lieblingsbjesk verwandeln lassen. Man kann zwischen verschiedenen Essenzen auswählen, welche im Verhältnis 1:10 verdünnt wird.

Wir entschieden uns für die Essenz „Signes Bjesk“ (mit Blutwurz, Bitterorange, Porst, Johanniskraut und Hugos Weihnachtsbjesk) und dem „Tornby Klitbjesk“(Odermenning, Porst und Wachholder), der erfreulicherweise der Bjesk 2017 ist. Jedes Jahr gibt es einen Bjesk des Jahres und einen Weihnachtsbjesk.

Und den holen wir uns dann im November. Skål!

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4 Gedanken zu “Nordjütländische Spezialität: Bjesk

    • Søndervig liegt ja in Midjylland und ich weiß leider nicht, ob es dort etwas mit dem Bjesk Vergleichbares gibt. Ich könnte mir allerdings schon vorstellen, dass man dort ebenfalls regionale Produkte und auch das eine oder andere gute Schnapserl findet. Die Dänen pflegen ihre Kultur und sind dem Alkoholgenuss nicht abgeneigt 😉
      Liebe Grüße zurück

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